Über das lange Wochenende von Fronleichnam (für alle aus dem Norden: 23. - 25.06.2011)
haben wir das Tierheim Siofok zum zweiten Mal in diesem Jahr besucht, wieder mit einem vollen Auto plus Anhänger. Im Gepäck waren Decken, Futter und Ausstattung für die Tiere und Kleidung für die Mitarbeiter, die aus dem ges. Bundesgebiet den Weg zu uns gefunden haben.
Außerdem haben wir Dank der Spenden an die Paprikahunde noch einen großen Futtereinkauf in Siofok machen können. Wir haben hauptsächlich Dosenfutter gekauft, da hier der Vorrat mal wieder verbraucht war.
Beim Rundgang durchs Tierheim haben wir uns mit den Mitarbeitern über die neue Wasserleitung gefreut, die bis vor die Zwinger und Ausläufe verlegt wurde. Jetzt müssen die Mitarbeiter das Wasser für die Tiere nicht mehr quer durchs ganze Tierheim schleppen. Eine riesen Arbeitserleichterung. Auch das Reinigen der Zwinger und Hütten ist jetzt viel einfacher, weil man einfach mit dem Schlauch ans Werk gehen kann.
Wie immer war das Tierheim mit über 200 Hunden und mehr als 30 Katzen voll belegt und es viel uns extrem schwer, die süßen Fellknäule da zu lassen.
Schon bei unserem letzten Besuch zu Ostern war uns eine Hündin aufgefallen, die wie der Zwilling von unserem Hund Gyerek aussieht. Am liebsten hätten wir sie sofort eingepackt, was aber wegen einer schon mit zwei Katzen und einem großen Hund voll belegten Wohnung totaler Wahnsinn wäre.
Rita lebt schon seit über einem Jahr im Tierheim und wir werden versuchen ein Zuhause für sie zu finden. Hier kommen Sie zu Ritas Beschreibung.
Oder vielleicht hat ja jemand ein neues zu Hause für uns alle (bezahlbares Haus mit Garten in oder in der Nähe von Frankfurt), so dass wir Rita selber aufnehmen können??
Liebe Grüße Sonja Schneider
Reisebericht vom 28.03. - 04.04.2011
Am Montagmittag wurde ich wie immer von Zsuzsi im Tierheim herzlich empfangen.
Begeistert war ich von der Alarmanlage die aufgrund des Einbruches Anfang Februar installiert wurde. Videokameras überwachen jetzt das Gelände und eine Lichtschranke löst einen stillen Alarm bei einem Security Service aus, der innerhalb von Minuten dann vor Ort ist.
Auch der Personalbereich macht Fortschritte. Neben dem Container fürs Personal (gestiftet von Hundehilfe Marika), gibt es eine neue Toilette, die jetzt direkt von außen erreichbar ist. Dadurch muss man nicht mehr durch die Hunderäume in dem kleinen alten Haus.
Ich habe mit Janós darüber gesprochen, dass die bisherigen Dächer in den Außengehegen nicht optimal gebaut geworden sind. Daher haben wir uns dafür entschieden, dass wir die Zone vor den 10 Gruppengehegen betonieren werden und darauf dann neue Dächer bauen. So entsteht eine matschfreie Zone vor den Häusern. Dies ganze Projekt kostet zusätzlich 2.500 Euro, dann ist es aber tadellos gemacht und eine gute Investition für ganz viele Jahre. Am Donnerstag wurde mit den Bauarbeiten begonnen und Mitte April ist dann alles fertig gestellt.
Wenn die Paprikahunde wieder Geld in der Kasse haben, kann noch eine Wand an jede Windseite gebaut werden.
Wer uns dabei unterstützen möchte kann eine Patenschaft übernehmen. Für eine 100 Euro Spende kommt ein Holzschild mit Ihrem Namen an eine Wand.
Für das laufende Kastrationsprojekt habe ich Zsuzsi 700 Euro gegeben. Diese werden in den nächsten Wochen durchgeführt und ich bekomme die Namen der Hunde und Bilder um dies auf der Homepage dokumentieren zu können.
Ferner habe ich das Tierheim mit 500 Euro für Futter unterstützt, da kaum noch welches vorhanden ist. Gerade einmal 6 Säcke waren am Mittwoch noch im Lager. Im Grunde ist das eine Tagesration.
Ich habe mit den Hunden, die im Auslauf waren gespielt oder geschmust. Bei zwei Neulingen, die einen sehr ängstlichen Eindruck machten, habe ich mir besonders viel Zeit und gute Leckerchen genommen. Es ist schlimm wenn die Hunde wollen, aber sich nicht trauen, weil ihnen schon soviel Schlechtes widerfahren ist.
Man sieht ihre Neugier, aber die Angst ist stärker. Es braucht da viel Geduld, diese Furcht zu überwinden. Manchmal sitzt man minutenlang mit einem Leckerchen, um es dann doch fallen zu lassen, damit es wenigstens so genommen wird. 10cm die schier unüberwindbar sind.
Zum Glück haben ja alle Tierheimmitarbeiter ein gutes Händchen und bei meinem nächsten Besuch wird die Angst hoffentlich verschwunden sein.
Mit Buda, Fritz und Abigel bin ich ausgiebig spazieren gegangen. Das heißt, bei Buda ist es bei dem Versuch geblieben.
Buda ist lieb und sehr unterwürfig gegenüber den anderen Hunden in seiner Gruppe. Dies kann man sehr gut auf dem Video sehen. Aber leider war er überhaupt nicht begeistert davon, mit mir spazieren zu gehen. Außerhalb des Tierheimes war er sehr unsicher. Er wollte schnell wieder zurück. Nur im Tierheim fühlt er sich im Moment sicher. Ganz gewiss hatte er große Angst davor, wieder auf der Straße zu landen und erneut hungern zu müssen. Ich habe auch das Gefühl, dass Buda früher geschlagen wurde. Er weicht sofort aus, wenn ein Mensch die Hand hebt.
Fritz hingegen fand den Spaziergang toll. Er hat ein totes Schwein im Strassengraben entdeckt, das er direkt verbellt hat. Piri forderte er zum Spiel auf, aber die feine Madame fand, es sei unter ihrem Niveau.
Abigel ist einfach eine freundliche unerschrockene Hündin, die auf jeden Menschen zustürmt. Sie hatte sich beim Spaziergang um einen Baum gewickelt und ist dabei aus ihrem Geschirr gerutscht. Sie hat den leinenlosen Spaziergang genossen. Und ist brav bei mir geblieben, bzw. immer zu mir gekommen, wenn ich sie gerufen habe. Sie wurde ein paar Tage später in Ungarn vermittelt.
Am nächsten Tag wurde ich von allen 3 Hunden sofort wieder erkannt und überhaupt nicht mehr angebellt. Ich hatte das Gefühl, sie wollen einfach nur mit in ein besseres Zuhause.
Sam und Som sind 2 Vizslamixwelpen die jetzt ca. 11 Wochen alt sind. Ihre Mutter ist eine Vizslahündin, der Vater ist (wie so häufig) unbekannt. Für die beiden Racker suchen wir ein schönes neues Zuhause. Sie können nach Deutschland reisen, wenn ihre Tollwutimpfung gültig ist.
Am Donnerstag war ich dann in der Auffangstation in Veszprem um Steffi und Bator zu sehen sowie Füles der jetzt Oskar heißt, mit nach Deutschland zu nehmen.
Steffi ist eine bildhübsche, liebe und sehr anhängliche Hündin. Sie folgt Zsuzsa wie ein Schatten. Sie zieht Ostern ins Sauerland.
Bator ist Epileptiker und ihm ging es nicht so gut. Er war eine die erste Zeit recht orientierungslos und hat seine Menschen überhaupt nicht erkannt. Es lag ein Wetterumschwung in der Luft, der ihm zu schaffen gemacht hat. Nach einer halben Stunde ging es dann wieder und er war interessiert an dem Geschehen um ihn rum.
Für Füles freut es mich ganz besonders das er jetzt in Thüringen lebt. Er hat wirklich kein schönes Leben gehabt. Wenn Gabi ihn nicht in der Tötung gesehen hätte, dann wäre das Häufchen Elend am nächsten Tag an dem Betonboden festgefroren gewesen. Bei der Pflegestelle hat er das Haus in den ersten 14 Tagen nur fürs Geschäft verlassen. So glücklich war er über die Wärme und Zuwendungen.
Füles muss jetzt noch 2-3 KG zulegen, denn er ist immer noch sehr dünn. Er hat auf der linken Seite einen mittlerweile verheilten Rippenbruch. Drei gebrochene Rippen konnte ich ertasten.
Aktuell ist das Tierheim Siofok mit 30 Hunden überbelegt. Täglich kommen 6-8 Anrufe von Menschen die ihren Hund abgeben wollen. In Ungarn ist jeder Hundehalter neuerdings gesetzlich verpflichtet, seinen Hund gegen die Tollwut impfen zu lassen. Die meisten Halter haben aber diese 18 Euro nicht, oder wollen dieses Geld sparen. Aus Furcht Strafen zahlen zu müssen, geben sie ihre Hunde ab.
Auch die weiter anhaltende Welpenschwemme ist ein ungelöstes Problem. Entweder werden sie abgeben, weil man sie nicht verkaufen kann, aber auch nicht weiter ernähren möchte. Oder, und das ist viel schlimmer, es werden wackelnde und winselnde Säcke an Bäumen gefunden. Und manche Säcke geben auch kein Lebenszeichen mehr von sich.
Meist sind die Welpen erst wenige Tage alt und haben daher kaum eine Überlebenschance. Es bleibt letztlich nur das Einschläfern.
Welpen ab der achten Woche haben eine bessere Prognose und es wird versucht diese Tiere zu retten, sofern sie augenscheinlich gesund sind.
Ich habe mit Zsuzsi darüber gesprochen, das wir gegebenenfalls auch für Hunde außerhalb des Tierheimes die Kosten der Kastration übernehmen. Ich denke unser Kastrationsprojekt sollte über die Tierheime hinaus stattfinden.